Grosse Musik in der kleinen Hafenkneipe

Konzertkritik: The Joy Formidable in Zürich
Bildquelle: 
© Hansjürg Stämpfli

Knapp eine Woche nach dem Erscheinen des zweiten Albums «Wolf’s Law», besuchte The Joy Formidable, das Waliser Trio, die Hafenkneipe in Zürich. Das sogenannte Wolffsche Gesetz besagt, dass der Knochen sich aufbaut und an Festigkeit zunimmt, wenn er belastet wird. Wird der Knochen hingegen nicht oder nur wenig belastet, baut er sich ab. Wer sich bereits mit der Musik dieser Gruppe befasst und die Band live gesehen hat, wusste von vornherein, dass das Konzert eine Belastung im positiven Sinne werden sollte. 

 

Das Trio rund um die Sängerin und Gitarristin Ritzy Bryan eröffnete den Abend in der ausverkauften Hafenkneipe, die rund 100 Personen fasst, mit dem Song «Cholla». Im Hintergrund der Bühne befand sich eine Leinwand in der Form eines Wolfskopfes, auf die während des ganzen Sets Visuals projiziert wurden. Der Drummer Matt Thomas sass am Bühnenrand seitlich. Nicht etwa, weil die Bühne zu klein war, sondern weil bei dem Trio alle gleichberechtigt in der Bühnenpräsenz sind und dies bei all ihren Konzerten so ist. 

 

            Ritzy Bryan ist auf der Bühne voll in ihrem Element.

            (Bild: Westend Dortmund. © Hansjürg Stämpfli

 

Mit Bands wie den Foo Fighters und Muse haben die drei als Support bereits grosse Stadien in Europa und Amerika bespielt. Und auch in der Hafenkneipe haben The Joy Formidable gezeigt, wie gross ihr Sound ist. Abermals bauten sie in ihren Songs Wall of Sounds auf und man hört der Musik nicht an, dass sie nur von drei Personen gespielt wird - so grossspurig und kraftvoll kam sie daher. Oftmals bildeten sich die dicken, dichten Gitarrenschichten zu hymnischen Lärm - gespickt mit poppigen Einflüssen. Ritzy Bryan und Bassist Rhydian Dafydd unterlegten ihr Spiel mit zahlreichen Effekten, während der Drummer kraftvoll auf sein Schlagzeug einpreschte. 

 

Beim Zugabenblock spielten die Waliser auch den namensgebenden Track vom neuen Album, der dort jedoch als Hidden Track versteckt ist - Wolf’s Law. Das Shoegaze-Inferno endete mit dem sich steigernden «Whirring» vom Debutalbum «The Big Roar», bei dem die Gitarristin auch das Publikum auf ihr Saiteninstrument wummern liess. Nach einem rund eineinhalbstündigen Gig verliess die Band die Hafenkneipe durch den Fronteingang. Live sind The Joy Formidable definitiv eine Wucht. Die Chance, das Trio in einem solch kleinen und intimen Rahmen zu sehen, wird man wohl leider nicht wieder bekommen. Die Knochen des Publikums wurden bei diesem bombastischen Auftritt definitiv gestärkt.

Hansjürg Stämpfli / Mi, 06. Feb 2013